KDFB

Gründung und Ziele

Der "Katholische Frauenbund" wurde 1903 in Köln gegründet.

Bei der Gründung handelte es sich um einen "Zusammenschluss katholischer Frauen aller Schichten, Berufe und Altersstufen, im Geiste der katholischen Frauenbewegung, zum Dienst an Kirche und Volk, insbesondere zur Vertiefung des katholischen Frauenideals in Familie, Beruf und öffentlichem Leben". Vorrangiges Ziel war die Frauenbildung. Die "Organisation" der katholischen Frauenbewegung wurde von Frauen geleitet und begleitet von einem geistlichen Beirat mit beratender Funktion. Es folgten zahlreiche Gründungen in Deutschland, z.B. 1904 in Bayern, 1906 in Danzig, 1907 in Breslau oder 1909 in Berlin, 1917 in Stuttgart.

Die Entwicklung des Diözesanverbandes Rottenburg-Stuttgart

Die Anfänge 1917 - 1933

Mit der Gründung des ersten Zweigvereins in Stuttgart beginnt die Geschichte des Frauenbundes in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Am 24. Januar 1917 fand die Gründungsversammlung im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart statt. Über 2.000 Personen waren gekommen, darunter die führenden Frauen und Männer des öffentlichen staatlichen und kirchlichen Lebens, des Adels und des Hofes.

Zur Gründerinnen-Generation gehörten Emilie Mayer, die Mutter des späteren Jesuitenpaters Rupert Mayer, sowie Luise Rist. Sie wurde als einzige weibliche Abgeordnete in den württembergischen Landtag gewählt, als nach dem ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht  eingeführt wurde. Luise Rist behielt ihr Mandat bis zur Auflösung des Parlaments im Jahre 1933. Als Landesvorsitzende des Frauenbundes prägte und bestimmte sie den politischen Auftrag des Verbands katholischer Frauen entscheidend mit.

Die Frauen, die lange auf den Aufbruch und die Möglichkeit gemeinsamen Handelns gewartet hatten, begannen voller Tatendrang mit der Organisation und der Verbreitung ihres neuen Verbandes.  Sie führten Schulungskurse durch und gründeten Abteilungen und Kommissionen.

Die erste Kriegs- und Nachkriegszeit erforderte eine Konzentration auf das unmittelbare soziale Wirken und auf die staatsbürgerliche Schulung, sowie auf die Ausbreitung des Verbandes auf dem Land. Später kam die allgemeine Bildungsarbeit und religiöse Themen dazu, die dann ab 1933 gezwungenermaßen den Mittelpunkt der verbandlichen Arbeit bildeten.

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Papst Pius XI. unterzeichnete im Juli 1933 ein Konkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl, in dem die Kirche dem Staat ihre Unterstützung zusagte – und ihrerseits dafür den Schutz der Gläubigen und ihrer kirchlichen Einrichtungen einforderte.

Allerdings konnten nur Verbände weiter existieren, die ausschließlich „religiösen, rein kulturellen und caritativen Zwecken“ dienten. Alle berufsständischen, politischen und sozialen Aufgaben wurden in staatliche Verbände eingeordnet.

Das bedeutete für den Frauenbund: Ein Herzstück des Frauenbundes – die politische und soziale Bildungsarbeit – musste aufhören. Auch die Landfrauen- und die Hausfrauenvereinigung wurden in ihrer Arbeit stark eingeschränkt, zumindest was praktische Kurse und berufliche Ausbildung betraf.

Die Glaubenskräfte zu vertiefen, erschien als notwenige Reaktion auf die „Zeichen der Zeit“. Deshalb wurde die theologische und religiöse Schulung von Laien – auf der Basis einer erneuerten Kirchenbildes - als neue Aufgabe in Angriff genommen.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart leistete der Frauenbund Pionierarbeit, indem er die theologische Erwachsenenbildung mit anregte, förderte und strukturierte, die religiöse Mütterschulung initiierte und die Ausbildung von Katechetinnen ins Leben rief. 1935 mietete die Diözese das Sonnenhaus Beuron „für Zwecke religiös-kultureller Frauenbildung“ und übergab die Leitung und Verantwortung in die Hände des Frauenbundes.

Mitarbeit am Wiederaufbau Deutschlands 1946 – 1962

Während der nationalsozialistischen Herrschaft war den verantwortlichen Frauen der katholischen Frauenbewegung durch die erzwungene Einschränkung ihrer Arbeit bewusst geworden, welchen Stellenwert der Glaube und das christliche Menschenbild für ihren Auftrag hat.  In der Arbeit des Frauenbundes in den Nachkriegsjahren zieht sich deshalb das Thema der Verantwortung der Frau für die Verchristlichung des Lebens als roter Faden durch.

Nach dem Zusammenbruch Deutschlands standen wie nach dem Ersten Weltkrieg die sozialen und caritativen Aufgaben im Vordergrund der Arbeit. Es wurden Besinnungstage und „Ausruhwochen“ für Frauen aus Flüchtlingslagern organisiert, man nahm sich in den Gemeinden der Ausgebombten an. Eine besondere Herausforderung stellten die unzähligen Flüchtlinge dar, die nach Kriegsende einströmten. In dieser Situation haben sich Frauenbundsfrauen besonders engagiert, die heimatvertriebenen Frauen in die örtlichen Zweigvereine eingeladen und waren offen für deren Glaubensgeschichte.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil: 1963 - 1998

Nach den kirchlichen Aufbrüchen infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils setzten die Frauen des Frauenbundes ihre Arbeit als katholische Frauenbewegung fort und profilierten sich mit eigenständigen Positionen im gesellschaftlichen Leben und in ihrer Kirche: Bereits organisatorisch setzte sich die dezidiert weibliche Führungsspitze von jenen katholischen Frauenvereinen ab, die sich unter der Leitung von Klerikern eher karitativ oder spirituell engagierten. Erfolgreich stemmten sich Frauen wie Helene Weber, Gertrud Ehrle und Aenne Brauksiepe Versuchen der Bischöfe entgegen, auch ihren Verband enger an die Kirchenleitung zu binden.

In seinen gesellschaftlichen Vorstellungen löste sich der Frauenbund von traditionellen Rollenbildern und vertrat in Anlehnung an die bürgerliche Frauenbewegung emanzipatorische Ansprüche. Aus der Würdigung der verschiedenen Familienstände als gleichrangig resultierte eine hohe Wertschätzung des Verbandes für ledige berufstätige Frauen.

Ein partnerschaftliches Eheverständnis floss in den Wiederaufbau der katholischen Eheberatung ein, die Müttergenesungsarbeit sollte die Leistung der Mütter öffentlich bewusst machen. Entschieden förderte der Frauenbund die Berufsausbildung von Frauen und ermutigte sie zu politischer Mitarbeit. Über sein personelles Netzwerk brachte er die Überzeugungen seiner weiblichen Mitglieder in den politischen und binnenkirchlichen Diskurs ein. Die engagierten Frauen eckten dabei nicht selten an. Ihre religiöse Verwurzelung und Spiritualität widersprachen diesem Verständnis nicht, sondern bildeten vielmehr seine Basis.

Auf dem Weg ins dritte Jahrtausend – Perspektiven für die Zukunft: 1999 - 2017

Die heutige Umbruchsituation in Kirche und Gesellschaft  ist gekennzeichnet durch eine fortschreitende Individualisierung und Pluralisierung. Kritische Anfragen von Frauen in Bezug auf ihren Ort in Kirche und Gesellschaft finden im Verband ihren Platz. Der Frauenbund bietet Raum für suchende Frauen, spricht sie mit entsprechenden Angeboten an (z.B. „Kirche anders. Frauenkirche“) und macht sich mit ihnen gemeinsam auf den Weg.

2002 findet der erste vom KDFB konzipierte Ausbildungskurs für Geistliche Beirätinnen statt. Auf diese Weise fördert der KDFB die Vertiefung weiblicher Spiritualität.

Ein weiteres Thema, das den KDFB seit mehr als 20 Jahren begleitet, ist der Einsatz für den Diakonat der Frau

Der Diakonat der Frau steht für die Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit von Frauen und Männern beim Dienst in der Nachfolge Jesu. Die Frauen des KDFB sind davon überzeugt, dass die Berufung von Frauen ebenso viel wert ist wie die Berufung von Männern. Weil sie keinen Unterschied in der Wahrnehmung des diakonischen Dienstes sehen, fordern sie die Öffnung des Weiheamtes für Frauen, die durch ihr caritatives und diakonisches Handeln die Botschaft Jesu mit Leben füllen und zur Zukunftsfähigkeit der Kirche beitragen.

Der KDFB hat sich 2019 mit den Forderungen der Aktion Maria 2.0 solidarisiert. Sie rief zum Kirchenstreik und zu anderen Aktionen auf und protestierten damit gegen den Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Amtskirche. Veränderungen  werden eindringlich gefordert.

Die Welt des Ehrenamts wandelt sich. Neue Wege und innovative Formen des Engagements sind gefragt.  Die Mitglieder des KDFB arbeiten kraftvoll an der Zukunft des Frauenbunds, der weiterhin das veränderte Rollenbild der Frau in Kirche und Gesellschaft im Blick hat.