KDFB
30.04.2018

Die Geduld der Frauen ist zu Ende

Gottesdienst mit Dekan Paul Magino und Geistlicher Beirätin Claudia Schmidt

Diskussionsrunde mit der chaldäisch-katholischen Subdiakonin Younia Hilbert, Diakon Peter Seidl, der Theologin Babara Janz-Späth, Dekan Paul Magino und Maria Haller-Kindler. Interviewt von Katharina Kurtz.

Die Geduld der Frauen ist zu Ende

Katholische Gläubige fordern die Weihe von Frauen zu Diakoninnen

Rottenburg/Stuttgart, 30. April 2018. Gemeinsam haben der Diözesanrat und der Katholische Deutsche Frauenbund Rottenburg-Stuttgart (KDFB) die zeitnahe Einführung der Weihe von Diakoninnen in der katholischen Kirche gefordert. In einer Erklärung appellieren beide Organisationen an die Deutsche Bischofskonferenz, „sich beim Papst dafür einzusetzen, in den deutschen (Erz-)Diözesen die Einführung des Diakonats der Frau zeitnah zu ermöglichen“. An neun Orten der Diözese Rottenburg-Stuttgart beteten Gläubige am Sonntag für dieses Anliegen. Bei der zentralen Veranstaltung zum Tag der Diakonin in der Bischofsstadt Rottenburg machten die Teilnehmer mit einer lautstarken Percussion darauf aufmerksam, dass ihre Geduld in dieser Frage zu Ende ist.

 

In ihrer öffentlichen Erklärung berufen sich Frauenbund und Diözesanrat auch auf das neueste apostolische Schreiben von Papst Franziskus „Gaudete et exsultate“. Dort nennt der Papst die weiblichen Formen der Heiligkeit „unentbehrlich … um die Heiligkeit Gottes in dieser Welt widerzuspiegeln“. Der Frauenverband und die Katholikenvertretung bestärken Diözesanbischof Gebhard Fürst, „mit anderen deutschen Bischöfen gemeinsam weitere Schritte zur Einführung des Frauendiakonats zu unternehmen.“ Der Diözesanrat mit seinen rund 100 Stimmberechtigten hatte die Erklärung bei seiner Sitzung am Freitag in Untermarchtal bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen verabschiedet. Der Katholische Frauenbund der Diözese schloss sich am Sonntag der Erklärung an.

 

„Seit Urzeiten verausgaben sich Frauen im diakonischen Dienst. Die Zeit ist reif, ja überreif, Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Wir haben zugestanden, dass die Uhren in unserer Kirche etwas langsamer ticken als anderswo. Aber jetzt ist die Geduld endgültig erschöpft“, sagte Claudia Schmidt, die als Geistliche Beirätin des Katholischen Deutschen Frauenbunds im zentralen Gottesdienst zum Tag der Diakonin in der Rottenburger St. Moriz-Kirche das Evangelium auslegte. Die Frauen hätten lange genug gekämpft. „Jetzt ist die Zeit, dass die Männer guten Willens, vor allem die, die selbst ein Amt haben, Stellung beziehen und ins Handeln kommen“, so die Theologin. Auch Priesterratssprecher Paul Magino forderte die Solidarität der Männer in der Kirche, zusammen mit den Frauen „die nächsten Schritte einzufordern, damit das, was theologisch möglich ist, Wirklichkeit wird. Und theologisch ist der Ausschluss der Frauen von der Weihe nicht zu begründen.“ Jesus Christus werde nicht von Männern repräsentiert, vielmehr repräsentiere er sich selbst durch Männer und Frauen, die getauft und gefirmt in seiner Nachfolge stehen. Frauen von kirchlichen Ämtern auszuschließen bezeichnete er als „Sünde“.

 

Bei der anschließenden Veranstaltung in der Zehntscheuer fragte SWR-Moderatorin Katharina Kurtz die chaldäisch-katholische Subdiakonin Younia Hilbert, was ihr ihre Weihe bedeute. Sie berichtete von ihren umfangreichen Diensten in ihrer Stuttgarter Gemeinde Mar Shimon Bar Sabai von der Betreuung der Ministrantinnen, die sie als Vorbild sehen, der Unterstützung des Pfarrers und sozialen Diensten bis zur tragenden liturgischen Rolle. „Wenn ich vorn beim Altar Dienst tue, dann fühle ich mich Gott näher – näher geht es nicht“, bekannte die Irakerin, die schon seit mehr als drei Jahrzehnten in Deutschland verheiratet ist.

 

Diakon Peter Seidl erklärte augenzwinkernd, er feiere seinen Hochzeitstag größer als seinen Weihetag – aus beidem schöpfe er Kraft. Die Überreichung des Evangeliars bei der Weihe mit dem Auftrag, das zu leben und zu verkünden, was er vom Evangelium verstanden habe, sei immer noch eine Kraftquelle auch für schwierige Situationen. Aus seiner Erfahrung in 23 Jahren als Diakon, in denen er vorrangig mit Frauen zusammengearbeitet habe, würde er es begrüßen, wenn Frauen „mit ihrer anderen Blickrichtung und ihrem anderen Gefühl“ die Chance bekämen, Diakoninnen zu werden. Allerdings müssten die Gemeinden auch darauf vorbereitet und die Akzeptanz von Frauen in Ämtern gefördert werden.

 

Die Theologin Barbara Janz-Späth setzt sich seit über 20 Jahren für Frauen in der Kirche ein. In dieser Zeit habe sich praktisch nichts getan in Sachen Diakoninnenweihe, obwohl die Theologie sich weiter entwickelt habe. Sie glaube nicht, dass Frauen weitere 20 Jahre lang unter diesen Bedingungen ihr Engagement für die Kirche aufrecht erhalten. „Die Kirche hat sich von diesen Theologinnen verabschiedet. Sie merkt nicht, dass Frauen und auch Männer weitergezogen sind.“ Wichtig sei, dass die Frauen in den Gemeinden hinstehen und Ämter für Frauen einfordern.

 

Paul Magino verglich das Thema mit dem Mauerfall: „Ich weiß, dass ich das nicht machen kann, aber was ich dazu tun kann, dass sich etwas ändert, das will ich tun – in Gesprächen, in Gottesdiensten, heute hier, in unserer Kirchengemeinde, auch im Ringen im Gebet.“

 

Maria Haller-Kindler hat den kirchlichen Dienst bewusst verlassen und arbeitet jetzt in der Kommunalpolitik. Das Thema Frauendiakonat berühre sie dennoch. Sie berichtete von zwei Erfahrungen als Gemeindereferentin – etwa als ihr nach intensivem Engagement in der Erstkommunionvorbereitung ein Pfarrer, weil sie am Erstkommuniontag ebenfalls Kommunion austeilte, sagte, sie nehme ihm "die Sahne vom Kuchen" – die ihr klar gemacht hätten: „Hier geht’s nicht um Theologie, hier geht’s um Macht.“

Cäcilia Branz, Diözesanrat